Aktuelles: 4. int. MTB-Marathon La Palma am 2.3.2008
2.3.2008:
Sieg und zweiter Platz! Außerhalb der Stadt dann der richtige Start bergauf. Sofort waren wir vier deutschen und die besseren spanischen Rennfahrer unter sich. Unmittelbar mit Beginn der schärferen Steigungsprozente erhöhte Michael Kalivoda (aktueller 24-h-Weltmeister) den Rhythmus und nur sein Ghost-Teamkollege Wolfgang Mayer sowie unser Schnellstarter Christian konnten mitgehen. Danach folgten zwei Spanier, dann kam ich. Vom Fahrertypus her sind ja bekanntermaßen solche Schnellstarts in supersteiles Gelände hinein nicht gerade mein Ding und das wird jedes Jahr schwerer. Ich wußte was kam, aber das Elendsding zog sich ewig dahin. Ich versuchte mit meinem leichtesten Gang (29:34) meinen Rhythmus zu finden und der Hangabtriebskraft Paroli zu bieten. Dies gelang respektabel, die Beine gingen langsam auf, denn hinter mir fielen bis auf einen Spanier alle ab. Im flacheren Hexenfeld nach den ersten 500Hm kam ich vollends ins Rollen, die Pass-Straße zum El Pilar knallte ich richtig hoch und verlor meinen letzten spanischen Begleiter. Am Pilar hatte ich knapp 3min Rückstand, das war nicht schlecht für mich alten Mann. Den PR-LP-16 hoch zum Kulminationspunkt auf 1567mNN war auch noch alles bestens, dann begann die Abfahrt zur Ostpiste hinunter. Gleich zu Beginn knallte mir ein großer Felsbrocken so vors Schienbein, daß mir schwarz vor Augen wurde. Mein Abfahrtsschwung wurde dadurch deutlich eingebremst, auch später auf dem "Regenwald-Trail" ging ich es eher vorsichtig an. So schloss der abgehängte, wild abfahrende Spanier letztmalig auf, denn auf dem nun folgenden Erdpistenanstieg wieder hoch zur Ostpiste hatte ich meine stärkste Phase und der Typ explodierte. Die heimtückisch sandige Ostpiste hinunter ging es richtig flott. Die tiefe, sandige Querverbindung zur Westpiste hinüber brach mir etwas den Rhythmus und selbige hinauf rollte es aufgrund des gleichen Untergrundes sehr, sehr zäh. Dennoch lief es mir gut, wenngleich das Essen und Trinken heute ein echtes Problem war: man hatte buchstäblich alle Hände voll zu tun. Schließlich ging es einen furchtbar gerölligen und erodierten Karrenweg steil hinunter zum SL-EP-106, der zu einem Lavastrom führte. Die 300m Pflichttragestrecke absolvierte ich im Laufschritt, man avisierte mir 15min Rückstand auf die Spitze, was mir eine Vorstellung davon einbrachte, was die da vorne v.a. die Abfahrten hinunter vollbrachten .......... Anschließend ging es auf dem schönen Trail SL-EP-103 erst coupiert, dann abwärts dahin. Es hieß trotz Ermüdung hochkonzentriert zu bleiben, denn der heimtückische Belag verzieh absolut keine Fehler. Die Piste zum Hexenfeld hoch gab ich nochmals alles, denn ich wollte mir für das nun folgende Downhill-Highlight unbedingt noch ein paar Reserven schaffen. Das Finale wie gestern abgefahren und im Tagebuch dort schon beschrieben hatte es wirklich in sich. Es war aber auch Adrenalin pur - ich genoss es sogar, auch wenn ich hier sicher weiter entscheidend auf die Spitze verlor, obwohl ich es ordentlich laufen ließ. In El Paso kamen wieder Rollerpassagen, die ich mit einem anständigen Männergang anging. Plötzlich waren die beiden Spanier wieder vor mir. Obwohl sie sich heftig wehrten, konnte ich sie beide zur Mitte des letzten Anstiegs einholen. An diesem erdigen Krafthügel gab ich Gas, bis Blut kam, denn einer der beiden war ein bekannter Vollriskierer mit einem Fully. Es reichte nicht. Auf den letzten 500m Abfahrt wurde ich gekonnt überflogen und kassierte bis ins Ziel wieder 20sek. Der andere Spanier war leider nur ein Kurzdistanzler gewesen und so wurde ich Gesamtsechster und deutlicher Sieger der Masterklasse. Die knapp 25min Rückstand auf den Sieger hatte ich größtenteils meiner risikominimierten Fahrweise zu verdanken, aber so kam ich ohne Sturz und Defekt durch. Das Rennen war im Vergleich zum letzten Jahr zwar kürzer, aber deutlich schwerer und bei weitem technisch anspruchsvoller. Ein Marathon-Fully wäre eigentlich Pflicht gewesen. Die 66km und 2000Hm klingen zwar nach Durchschnitt, aber das meiste fand im tiefen Geröll, im Sand und bei satten Steigungs- bzw. Gefälleprozenten statt - sehr kraftraubend. Die knapp 100 Starter wiesen ein deutlich höheres Niveau als in 2007 auf. Ich war mit meiner Leistung v.a. bergauf - allerdings mit Abstrichen in der Startphase - und mit meiner Renneinteilung zufrieden. Die Kraft war da und dessen konnte ich mir nach dem langen Winter nicht sicher sein. Leider mußte ich das gesamte Rennen komplett alleine fahren und so fehlte mir einfach eine Orientierung, v.a. bergab. An der Technik muß ich weiter fleißig arbeiten. Vorne war der Bär los. Schnell entpuppte sich Michi als der Stärkste, auch wenn Chris tollkühn in den Abfahrten deutliche Löcher riss. Auf der Westpiste fiel er zurück. Michi hatte dann Reifenschaden, mußte zweimal trotz Latexmilch pumpen und stürzte überdies auch noch zwei Mal leicht. So war für Wolfgang der Weg zum Sieg nach 3.25 h frei und auch Chris profitierte mit einem zweiten Platz vor dem Pechvogel. Für Chris allerdings in meinen Augen seine bis dato stärkste Karriereleistung, denn eigentlich war er bisher nur auf 1,5 h Vollgas gepolt und fuhr heute sein Ding super durch. Daß er natürlich auch stark von seinen extrem wagemutigen und gekonnten Abfahrtskünsten profitierte, soll nicht unerwähnt bleiben ........ Alles in allem: ein sehr guter
Auftakt für den neugegründeten MTB-Club München e.V. und wir konnten
die Siegerehrung samt des guten Essens zufrieden genießen. |