Aktuelles: MTB-Trainingslager La Palma/Kanaren, 24.11.-08.12.09

(alle Fotos auf einen Blick)

 

24.11.09: Anreisetag
Wie immer gestaltete sich "die Nacht davor" als sehr vorbereitungsintensiv. In meinem Fall hieß das, mein neues PROGRESS-Fully mit weiteren Teilen auszustatten, um diese auf der Insel ganz harten Tests zu unterziehen. Schließlich war alles gepackt und es ging zusammen mit Martina per S-Bahn zum Münchner Flughafen. Im Zug stellte ich dann fest, daß mein Personalausweis abgelaufen war - fiel am Ende gar nicht auf....

Der Flug selber verlief ereignislos, sieht man vom Dauergeplärre eines Kleinkindes ab. Solchermaßen psychisch ermüdet, ging es dichtgedrängt zwischen Mensch und Material und einigermaßen verspätet im Großraumtaxi nach Puerto Naos. Unser Appartement präsentierte sich schön, großzügig und modern, mit Bike-Raum im Keller. Zum Training war es zu spät, so bauten wir unsere Hobel zusammen, räumten unser Zeugs ein, genossen ein Abendessen an der Strandpromenade und verzupften uns müde in die Betten.

 

25.11.09: Tag 1
Ein strahlend blauer Himmel verschönte uns schon das ausgiebige Frühstück auf der Terrasse. Die 25°C waren ungewohnt und duplizierten sich gefühlt in den steilen Teerrampen direkt vom Meer hoch. Nach etlichen 20%-igen Abschnitten war Las Manchas erreicht und es ging dirtmäßig weiter steil hoch zum "Hexenfeld", einem großen Lavasandgebiet. Von dort gab ich mir noch den Teeraufstieg zum El Pilar. Weiter ging es über eine Piste bergauf, bis nach einer relativ grobschotterigen Abfahrt die "Ostpiste" erreicht war. Superflowig surfte ich bis Fuencaliente und von dort aus auf der Straße nach Los Llanos.

Hier quetschte mich eine Spanierin in einer engen Gasse mit ihrem entgegenkommenden Auto an die Wand und verursachte somit den ersten insularen Sturz. Ich war begeistert und zudem der Ansicht, daß die gute Frau ihren Führerschein auf dem örtlichen Gemüsemarkt erstanden haben mußte, betrug doch der Abstand ihrer Karre zur anderen Straßenseite gut 1,5m. Nach Austausch einiger Freundlichkeiten zog ich etwas blutend und nur leicht derangiert mit einem im Zeitwert um 0,5% geminderten Bike von dannen.

Die daraufhin adrenalingetünchte Straßenabfahrt nach Puerto Naos bot Gelegenheit, Rauch abzulassen. Auf jeden Fall rauchte ich ein wenig geschwinder als notwendig an etlichen Benzinstinkern vorbei. Nach einem Strandaufenthalt mit Bad im Meer, einer Dusche, einem tollen von Martina vorbereiteten Abendessen, weiterem Schrauben am Bike und etwas Internet-Cafe war dieser lange Tag mit 4,75 h Training auch schon wieder vorbei. Beim Schlafengehen waren im Schein der Nachtischlampen bereits enorme Abrisskanten auszumachen und auch die Stäbchen erstatteten etwas gequält Schlußrapport.

 

26.11.09: Tag 2
Heute frühstückten wir in einem Arbeiterbistro im Freien - die einzige Lokalität, die vor 9 Uhr geöffnet hatte und billig obendrein. Der Planet schien schon wieder geradezu widerlich von einem völlig wolkenlosen Himmel. Leider mußte ich heute morgen dringend online gehen, um billige Flüge für das kanarische Frühjahr klar zu machen. Anschließend brauchte es noch ein paar Kalibrierungsarbeiten an der Rennfeile im Bikeshop. Nach kurzentschlossener Entfernung des Beinfells sah ich auch mal wieder wie ein Rennfahrer aus.

Wieder zog ich vom Meer aus auf supersteilen Teerrampen zwischen den Bananenplantagen steil nach oben bis Jedey. Hier war in der Bar schon die erste Notbewässerung fällig. Anschließend ging es offroad weiter steil bergauf, anfangs durch Aschefelder, später durch den Lärchenwald zur Hoyo de la Sima, einer riesigen Gasblase an der "Westpiste". Diese befuhr ich südlich und erklomm dann via 15er-Trail die Ruta des Volcanes (GR 131). Hier war dann auf gut 1.800mNN die dreistündige Dauerkletterei beendet und heißhungrig stürzte ich mich an der einzigen Wasserstelle auf Flüssiges und auf den Inhalt meiner Trikottaschen.

Die lange Abfahrt nach Fuencaliente im Süden der Insel ist sehr flowig, allerdings gewürzt mit durchaus heftigen technischen Stellen. Besonders der untere Teil ist sehr ruppig und durch einige Downhillrennen auch schon recht ausgefahren. Solo riskiert der vernünftige Biker von heute nicht alles und so ganz eingetrailt war ich ja auch noch nicht, deshalb ging ich an vier Stellen mal lieber vom Rad.

Wie gestern schon war ich sehr angetan von den Abfahrtsqualitäten meines neuen PROGRESS-Bikes. Es präsentierte sich äußerst laufruhig und gut balanciert - wir werden wohl gute Freunde werden, auch wenn die Nagelprobe für mich, das Durchfahren enger Serpentinen, noch aussteht. Die Kinematik zeigt sich jedenfalls überlegen und einige heftige Drops wurden smooth glatt gebügelt.

Nach 4 h in Fuencaliente angekommen, verleibte ich mir erst einmal ein Schinken-Käse-Sandwich ein, die additiv gegebenen 1000ml Pfirsichsaft verdampften eher, als daß sie spürbar in den Hals hinein gluckerten. Frisch gestärkt fuhr ich via LP-1 nach Los Llanos, besuchte kurz meinen alten Freund Sigi Wagner, bevor es zur finalen Schussfahrt hinunter nach Puerto Naos kam, das ich nach 5,25 h müde erreichte. Diesen herrlichen Tag schloss ich mit einem leckeren Abendessen zu zweit und etwas Internetten ab. Vom Matrazenerstkontakt bis zur Schlafphase dauerte es geschätzte 10sek...........

 

27.11.09: Tag 3
Nach der ersten schweren Doppelpackung war heute erst einmal ein ruhigerer Tag angesagt, schließlich bin ich ja nicht auf der Flucht! Nach einem gemütlichen Frühstück auf unserer Terrasse arbeitete ich am PC einige Trainingspläne für meine Athleten aus, dann starteten Martina und ich gegen Mittag zu einer gemütlichen Runde.

Wir rollten ruhig nach Los Llanos, besuchten Sigi und seine Frau und kletterten anschließend langsam auf der alten LP-1 steil nach El Paso. Über Tacande ging es schließlich im freien Fall zwischen den Bananenplantagen hinunter nach Puerto Naos, wo wir uns nach 2 h lockeren Trainings Kaffee und Kuchen gönnten.

Anschließend genossen wir das Baden im 20°C warmen Meer und das Liegen im schwarzen Sand bei angenehmen Temperaturen. Den Tag beschloss ich mit Fleißaufgaben am PC und einem Abendessen mit Martina in der lauen Nacht. Beim Lesen eines guten Buches fielen mir die Augen frühzeitig zu.

(Fotos:   1   2   3   4   )

 

28.11.09: Tag 4
Langsam stellt sich Routine ein. Nach dem Aufwachen zum Bäcker und bei Bedarf in den Supermarkt. Anschließend gemütliches Frühstück auf der Terrasse, in völliger Stille, mit einem gnadenlos blauen Himmel und maximalem Seelenfrieden. Anschließend Küche und Wohnung etwas aufräumen, Körperpflege, Umziehen, kurzes Überprüfen und Pflegen des Bikes. Heute ging es dann um 10 Uhr los.

Über Los Llanos, El Paso und am Tunnel vorbei ging es zum El Pilar. An der einzigen Wasserstelle weit und breit Auftanken, danach zu einem über Trails schwer zugänglichen Aussichtspunkt, wo ich schöne Fotos machen konnte (   1   2   ). Leicht angespannt stürzte ich mich dann in den 17er-Trail, der 1.500Hm hinunter zum Flughafen in einem Zug vernichtet. Durch einige schwere Regenfälle in der letzten Woche arg zugerichtet, zeigte mir das Ding ganz schön seine Klauen, der Palma-Flow stellte sich jedoch bald ein und das neue Bike tat im äußerst ruppigen und steilen Gelände sein Bestes.

Unten am Meer glühten die Bremsen, der Extrem-Fading-Test war bestanden. Nach Einfangen der Szenerie (   1   2   ) ging es die Chose wieder steil bergauf. Über Flughafen, San Jose, Mazo (kurzes Verpflegen, weil das Lichtlein schon sehr schwach wurde) und Montana pedalierte ich nicht endend wollend auf der Straße zurück zum El Pilar. Was man eigentlich nicht tun sollte: etwas angeschlagen ging ich den anspruchsvollen 14er-Trail an und hatte prompt harten Bodenkontakt. Dabei versuchte sich ein spitzer Felsen erfolglos in meine Hüfte zu bohren.

Danach war der Flow weg, aber ich zwang mich zurück in einen halbwegs flüssigen Rhythmus. Der Spaß kam trotz schmerzender Hüfte zurück, als die Steine um mich herum nur so spritzten und ich einige Drops und Schlüsselpassagen gut bewältigten konnte. Allein im schweren Gelände ist das immer so eine Sache, sollte man eigentlich nicht tun......

In El Paso durfte ich dann feststellen, daß mir eines der Steinchen mein Tubeless-Ventil halb abgerissen hatte. Der freie Fall über die LP-1 hinunter nach Los Llanos geschah dann mit Schleicher, geradeaus mit High Speed kein Problem. An der Tanke nachpumpen und nochmals Free Falling nach Puerto Naos. Der örtliche Bikeshop hatte sogar so ein Ventil da und so beendete ich guten Mutes die heutige Runde nach 7,5 h.

Und wieder Routine: Material- und Körperpflege, Essen, etwas PC-Arbeit, Lesen, Schlafen. Die Zeit verfliegt, die Schwere in den Beinen ist beachtlich....... Bis morgen.

 

29.11.09: Tag 5
Der blöde Sturz von gestern steckte heute doch weit mehr in den Knochen als mir lieb war. Die ganze linke Seite ist etwas geprellt, insbesondere die linke Hüfte. Außerdem mußte eines der gestrigen knapp 4.000Hm schlecht gewesen sein - so rollte ich heute mit Martina auf der Straße über Todoque und Jedey nach Fuencaliente. Dort gaben wir uns den Lavasandtrail hinunter zum Leuchtturm an die äußerste Südspitze La Palmas. Sehr müde zitterte ich mich durch den tiefen Sand und an den großen Brocken vorbei nach unten. Das ging schon mal viel besser.....

Heimzu wählten wir den steilen Aufstieg über Las Indias nach Fuencaliente, dann wieder auf der Straße nach Los Llanos und zurück nach Puerto Naos, das wir nach 4,75 h erreichten. Etwas Strandleben, Internetten und ein Restaurantbesuch mit einer netten Freerider-Gruppe rundeten den Abend ab.

(Fotos:   1   2   3   4   5   6   )

 

30.11.09: Tag 6
Zwei lockere Stunden und nur 1.000Hm standen heute auf dem Programm, nachdem ich gestern den zweiten Zweierblock abgeschlossen hatte. Nach etwas PC-Arbeit am Vormittag startete ich um 13 Uhr. Über Todoque, Los Llanos, El Paso und Tacande ging es nur auf der Straße nach Las Manchas und dann in den legendären Barranco de los Hombres, dem "Slickrock Trail" auf La Palma. Die Felsen in diesem Flussbett sind zwar recht griffig, dazwischen gibt es allerdings tiefen Sand, recht grimmige Drops und verblockte Stellen.

In meiner Premierenveranstaltung hier fräste ich mir zwar bei einer solchen mit dem Hinterreifen die Gesäßfalte neu nach, die richtige Schwerpunktlage war aber nutzlos, weil es für das Sandloch in der Landezone einen Speed gebraucht hätte, wie er nur eingeweichten Downhillern ansteht, aber nicht irgendwelchen Normalos, die sich einbilden, mit einem XC-Fully bei Sattel oben solche Wahnsinnssachen fahren zu müssen.....

Egal, ich muß es gestehen, mein dritter insularer Sturz war heute fällig. Das Rad blieb stecken wie ein senkrecht in den Boden gespießter Speer und ich machte auf der dem Sandloch folgenden Felsplatte eine Abbremsliegestütze nach Überschlag mit Kinn- und Rippenbeteiligung sowie Handgelenksüberlastung. Stürze stumpf ins Flache hinein sind tunlichst zu vermeiden und dieser ging (wieder einmal) glimpflich aus. Mir reicht es jetzt aber doch, ich will jetzt endlich wieder diesen Mr. Flow finden oder wie das Teil auch immer heißt!

Die Reifen halten die harten Trails hier auch nur bedingt aus, zwei Gewebebrüche an zwei älteren Semestern hatte ich schon zu beklagen und der erste Satz Bremsbeläge ist auch schon über den Jordan. Dazu verabschiedete sich heute bei dem Sturz auch noch eine Speiche. So hatte ich bis zum Abend gut zu schrauben. Dann gab es eine Pizza beim Italiener und im Anschluss noch einen Aufenthalt in der hiesigen Daddelbude von einem Internet-Cafe. Gehe jetzt ins Bett, auf dem Rücken kann ich sicher noch schmerzfrei liegen.......

 

01.12.09: Tag 7
Seit gestern ist das Wetter leider nicht mehr so schön - will heißen, bewölkt und ca. 22°C am Meer unten. Ab 1.000mNN kann es dann aber schon empfindlich kühl sein und auch ab und an regnen. Nach meiner gestrigen Einlage beschloss ich deshalb, heute mehr straßenorientiert unterwegs zu sein.

Von Puerto Naos ging es hoch nach Todoque, dann nach Tazacorte und weiter hinunter nach Puerto Tazacorte. Anschließend erkletterte ich die lange Steigung zum Mirador del Time und fuhr weiter bis hinter Tijarafe. Dort wendete ich und fuhr die Strecke zurück zum Mirador. Von dort versuchte ich offroad den GR 130, den steilen Serpentinentrail hinunter in den Barranco mit den vielen engen Kehren. Das gelang wie immer mit Sattel oben eher mittelmäßig, brachte aber wieder Spaß.

Dann fuhr ich hoch nach Los Llanos, weiter nach Todoque und nach 4 h heim zum Frauchen. Der Tag klang aus mit Materialpflege, lesen, PC und einem schönen Abendessen. Die verschiedenen Prellungen behindern noch ein wenig, aber das wird wieder!

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02.12.09: Tag 8
So ungewöhnlich schön das Wetter die ersten Tage gewesen war, so durchwachsen präsentiert es sich seit vorgestern. Die Wolkendecke hängt tiefschwarz extrem weit unten auf unter 1.000mNN und es heißt, in die Wolkenlücken hineinzustoßen, woselbst sich durchaus auch mal die Sonne zeigen kann. In den Wolken selbst nieselt und regnet es bei empfindlich kühlen Temperaturen. Schade, denn die coolen Trails sind überwiegend alle im oberen Teil der Insel.

Mit recht guten Beinen ging ich heute die ersten Kraftausdaueraufgaben dieses Trainingslagers an. Inzwischen kenne ich alle Sträßchen und Rampen der supersteilen Caminos, spanisch hineingeteert in die Botanik und möglichst direkt bergauf - da können einem auch mal 30% Dauersteigung entgegen kommen.

Solchermaßen tobte ich mich mit dicken Gängen hinauf bis zur Wolkengrenze Richtung Las Manchas aus. Dort nieselte es, also fuhr ich in ein Sonnenloch nach El Paso hinunter und von dort steil berghoch bis zum Aussichtspunkt "La Cumbrecita" am Kraterrand. Eine kleine Geländeeinlage auf dem teilweise recht ausgesetzten Rundpfad zu einem weiteren Aussichtspunkt folgte. Aufgrund einer schwarzen Wolkenwand wählte ich dann die Abfahrt "freier Fall" über El Paso nach Los Llanos.

Von dort befuhr ich den "Königsweg" GR 130 in den Barranco hinunter und weiter nach Puerto Tazacorte. Das Wetter zeigte sich weiterhin bedenklich und so ging es nach Todoque und von dort wieder auf einem supersteilen Camino bis Las Manchas. Von Jedey aus stürzte ich mich zwischen den Bananenplantagen bis hinunter ans Meer in Puerto Naos, das ich nach gut 4 h müde erreichte.

Schwimmen im Meer, Kaffee und Kuchen, Arbeiten am PC, Pizza essen, Lesen, Materialpflege - der restliche Tag verging schnell und früh horchte ich intensiv an der Matratze. Bis morgen.

 

03.12.09: Tag 9
Der vierte Tag in Folge zeigte sich stark bewölkt. Ab morgen soll es für mehrere Tage wolkenlos werden - gut für das Finale dieses Trainingscamps. Da es noch früh in der Vorbereitung ist, führe ich derzeit eher Zweierblöcke durch und meine Beine stimmten dem heute begeistert zu. So ging es auf der Straße recht entspannt nach Todoque, Las Manchas und Tacande.

Hier waren die Straßen pritschelnaß, die Sicht betrug ca. 100m und der Wind riss mir fast den Lenker aus den Händen. Also die Abfahrt down to El Paso und heute entspannt auf der Hauptstraße (ohne "freier Fall") nach Los Llanos. Von dort wie gestern offroad den GR130-Trail in den Barranco de las Angustias hinunter. Dieser stellt die große meerseitige Öffnung des größten Senkkraters der Welt, der Caldera de Taburiente, dar.

Ich ließ es entspannt nach Puerto Tazacorte hinabrollen und bemerkte dort erstmals in eine Felswand hineingebaute Häuser. Mit halbwegs lockerem Tritt ging es hoch nach Tazacorte, La Laguna und Todoque, bevor ich die sausende Schlussabfahrt nach Puerto Naos in Angriff nehmen durfte, das ich nach 2,75 h erreichte.

Dem obligaten Besuch des deutschen Bäckers folgte heute ein ausgiebiger Strandbesuch, denn die Sonne zeigte sich am Nachmittag vermehrt. Die Wellen waren heute richtig hoch und der Ein- und Austritt in den Ozean gestaltete sich lustig und spannend. Als Menschlein hast Du definitiv keine Chance gegen die Urgewalt eines Weltmeeres.

Ich habe einige positive Rückmeldungen auf diesen Blog hin von Euch erhalten und bedanke mich für Euer Interesse, auch wenn es nicht gar so viel Sensationelles zu berichten gibt. Gott sei Dank, dies soll ja eine aufbauende Trainingsmaßnahme Marke "Kraft durch Freude" sein, mit einer stark psychisch-regenerativen Komponente und kein nervenzerfetzendes Sensationsgetümmel.

Den heutigen Tag werde ich wie gewohnt entspannt ausklingen lassen und hoffe auf tolles Wetter morgen. Hasta luego.

 

04.12.09: Tag 10
Leider bewahrheitete sich die Wettervorhersage nicht, so verfolgte ich die Taktik der letzten Tage: erst einmal vom Meer her über den ersten Steilabbruch hinauffahren und dann die Wolkenlöcher anfahren. Zuerst ging es also recht flott und mit guten Beinen nach Los Llanos, dort machte ich die Unterkünfte für das Trainingslager im März verbindlich klar. Meine zwei Teamkollegen und ich werden wieder im El Castillo hausen, diesmal sehr schön in zwei abgetrennten Doppelappartements im Garten.

Dann steuerte ich den Mirador del Time und Tijarafe an. Ein Schönwetterkeil führte dann zu dem Entschluss, heute den höchsten Punkt der Insel anzufahren. Über die Pista del Cabildo ging es auf die eigentliche Passstraße und weiter bis zum Gipfel des Roque de los Muchachos auf 2.426mNN, alles in der Sonne mit einigen Nebelfetzen. Oben herrschte gewaltige Stille, die wenigen Besucher flüsterten im Angesicht der gewaltigen Schöpfung. Man kam sich wie in einem Flugzeug über dem Wolkenmeer vor.

Leider war der Ostkraterrand und die Cumbre Nueva komplett zu, so fuhr ich schweren Herzens nur mehr bis zum Mirador de los Andenes, um dort die Gewissheit zu erlangen, daß es sehr unvernünftig gewesen wäre, die technisch recht anspruchsvolle weitere Route alleine, ohne Sicht und im Nieselregen durchzuführen.

So fuhr ich auf der Straße wieder ab, diesmal über Hoya Grande, Kiosco Briesta und Puntagorda. Leider war auch hier zwischenzeitlich ein kalter und unangenehmer Nebel aufgezogen, die Straße war jedoch nicht feucht. So konnte ich bei Geschwindigkeiten bis zu 90km/h feststellen, daß mein neues Bike sehr ruhig bleibt und ein gutes Handling auch in schnellen Kurven bietet.

Die weitere Heimfahrt über Tijarafe, Torre del Time, Puerto Tazacorte, Todoque bis nach Puerto Naos spielte sich wieder in der Sonne ab. Ich erreichte die Heimat nach 7,5 h und fühlte mich prima. Den Rest des Tages verbrachte ich bei angenehmen Routinetätigkeiten, bis ins Internet-Cafe schaffte ich es allerdings nicht mehr, denn der Nachtschlaf übermannte mich früh.

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05.12.09: Tag 11
Heute steuerte ich bei wiederum sehr bewölkter Wetterlage todesmutig über Los Llanos, El Paso, Tunnel, bis zum El Pilar, den ich im dichten Nebel erreichte. Nach kurzem Wasserfassen ging ich die Ruta des Volcanes an und tatsächlich durchstieß ich bald den Nebel, um mich wiederum in phantastischer Natur aufzuhalten! Alles ging gut, nur in der oberen, supersteilen Abfahrt vom Volcán de la Deseada (1.945mNN) fing es mir im tiefen Geröllsand mein Vorderrad und ich erlitt fast im Stand einen seitlichen Ableger.

Eigentlich kein Thema, aber die scharfen Steine sind wie Rasierklingen und so war momentan reichlich des guten Körpersaftes zu sehen. Insofern konnte ich wenigstens die Sensationslust der wenigen Wanderer stillen, denen ich steil bergab entgegensurfte, jedoch schon wieder deutlich eingebremst und unflowig, nach meinem nunmehr vierten insularen Sturz.

Später auf der Ruta tauchte ich leider wieder in den Nebel ein, der fordernde Trail hielt mich jedoch warm. In Fuencaliente mußte ich dann leider feststellen, daß ein gröberer Steinschlag mir zwei tiefe Kratzer und eine große Beule ins Unterrohr meines Rahmens verpasst hatte, auch die linke Schwinge war leider aufgerauht worden. So wurde aus einem halbwegs guten Tag einer der schlechteren Sorte.

Auf der Heimfahrt über Jedey und die steilen Straßen zwischen den Bananenplantagen hinunter nach Puerto Naos, das ich nach 5,5 h erreichte, ärgerte ich mich furchtbar, daß mein neuer Rahmen derart gezeichnet wurde. Andererseits - bei einem Carbonrahmen wäre schon wieder ein Exitus zu beklagen gewesen, wohingegen es in meinem Fall zwar eine optische, jedoch keine Funktionseinbuße gibt - die Absenz von Mikrorissen vorausgesetzt.

Den Tag ließen wir mit einem lustigen Abendessen zusammen mit anderen Bikern ausklingen. Morgen ist wieder ein ruhigerer Tag dran. Das Internet-Cafe hatte wie jeden Samstag Ruhetag, so daß ich erst am morgigen Sonntag zum Aktualisieren dieses Blogs komme.

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06.12.09: Tag 12
Fünf wunderbaren, sommerlichen Tagen stehen mittlerweile sieben bewölkte Tage entgegen. Am Meer ist es oft sonnig und warm, in mittleren Höhen muß man sehen, wohin man fährt und oben ist meist alles dicht. Dies macht die großen Touren fast unmöglich oder man geht volles Risiko, so wie ich es gestern gemacht habe.

Nach Ausschlafen, ausgiebigem Frühstück, PC-Arbeit und Mittagessen an der Strandpromenade gab ich mir heute noch 2,25 h Training und dabei auf die Schnelle mal eben 1.400Hm. Todoque, Las Manchas, Bocca di Vacca, Hexenfeld waren die Stationen. Oben war es recht neblig und schon etwas schummrig. Für den Downhill wählte ich den LP14-Trail neben der Moraditos-Piste.

Eigentlich ein flowiges Ding, wenn es auch derbe rumpelt. Dabei durfte ich dann auch feststellen, daß einige Prozentpunkte meiner derzeitigen leichten Unsicherheit meiner "Reifenwahl" geschuldet sind. Nach zwei Gewebebrüchen bei den Grobstollern muß ich derzeit sehr glatte und eher schmale XC-Reifen fahren, was in diesem supergroben Gelände öfters mal für Aufregung sorgt. Dafür geht es auf der Straße recht gut.....

Ich kam gut in El Paso an und es hat auch ohne dem letzten Risiko wie immer richtig Spaß gemacht. Aufgrund der starken Dämmerung hieß es jetzt auf der Hauptstraße schnell heimfahren - ein sehr steiler Camino bergab brachte mich direttamente nach La Laguna und weiter über Todoque hinunter nach Puerto Naos. Ab El Paso bis in die Heimat geht locker ein Schnitt von 60km/h..... Der Rest des Tages gehörte der angenehmen Freizeitroutine.

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07.12.09: Tag 13
Wie vorgestern nahm ich einfach das Risiko auf mich und steuerte trotz ungünstiger Bewölkung den Roque de los Muchachos an, um am letzten vollen Trainingstag endlich einmal die legendäre Ostkraterrandtour zu fahren. Von Puerto Naos über Todoque, Tazacorte, Puerto Tazacorte, Mirador del Time, Tijarafe und Pista del Cabildo landete ich auf der Passstraße zum höchsten Punkt der Insel.

Anfangs sonnig und warm, wurde es schon bald kühl und wolkig. Später durchbrach ich den Nebel und wurde mit strahlender Sonne am Berg belohnt. Die Abzweigung zum Gipfel ließ ich liegen und ballerte auf der Straße wieder ein Stück bergab zum Parkplatz des Pico de las Nieves. Von hier beginnt der Quereinstieg zum Ostkrater, anfangs gleich mal mit einer längeren Tragepassage, dann an meist recht ausgesetzten Pfaden am Hang oder auf dem Grat entlang.

Meist sind es flowige Passagen mit einigen technischen Teilstücken und immer wiederkehrenden, kräftezehrende Gegenanstiegen, an denen das Bike geschoben oder getragen werden muß. Ich konnte mein Glück kaum fassen, denn ich schwebte gleichermaßen genau an der Nebelgrenze in gut 2.000mNN in der Sonne dahin!

Ab dem Refugio de la Punta de los Roques geht es nur noch bergab. Enge Serpentinen sind auf dieser Tour ein Dauerthema, sonst Fahrspaß pur. Später tauchte ich in der Dschungelzone doch noch in den Nebel ein, der Boden wurde erdiger, blieb jedoch griffig. Endlich, endlich hatte ich heute ein gutes Gefühl auf dem Bike und konnte, ohne Risiko zu nehmen, fast alles locker fahren!

Am Reventon-Pass angekommen, wartete die letzte Prüfung in Form des berüchtigten LP-1 (Camino Real) auf mich. Ein naturgepflastertes, jetzt zum Teil gut verblocktes Schüttelmonster mit engen Kehren will erst einmal bezwungen sein. Unten wird es immer leichter und in der steilen Pinienwaldabfahrt zur Kapelle glühen dann die Bremsscheiben (meine Bremsen halten dank 180er-Discs) endgültig aus. Dieser Zustand hält dann auf der mehrfach erwähnten Abfahrt "freier Fall" über El Paso nach Los Llanos an. Die Schlußabfahrt nach Puerto Naos beherrsche ich jetzt schon im Schlaf und nach 7,5 h und gut 4.000Hm war diese wunderschöne Tour zu Ende.

Nach Körperpflege, Essen und PC werden Martina und ich heute an unserem letzten Abend auf der Insel mit den anderen Freeridern noch etwas trinken gehen. Allerdings nicht zu lange, denn morgen Vormittag geht es nochmals aufs Rad, bevor uns der Flieger am frühen Abend zurück ins nasse München bringt.

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08.12.09: Tag 14 und Abreise
Wie immer bei solchen Reisen war der letzte Tag wettermäßig ein Traumtag, damit auch richtig Wehmut aufkommt. Da der Flug erst am späten Nachmittag sein sollte, startete ich nochmals zu einer Abschiedstour, obwohl meine Stäbchen eher Protesthaltung eingenommen hatten.

Von Puerto Naos ging es über Todoque, Los Llanos, El Paso und Tunnel hoch auf den El Pilar. Für die Abfahrt nahm ich nochmals den tückischen LP-14, später das Hexenfeld und dann den berüchtigten "Tacande-Trail" SL-EP-101 unter die Stollen. Obwohl es schwierig war, hat es nochmals richtig Spaß gemacht, meine Stürze scheine ich mental überwunden zu haben. Von El Paso aus fuhr ich wie auf dem Hinweg zurück nach Puerto Naos, das ich nach 3,75 h erreichte.

Dann hieß es blitzschnell packen und schon war das Taxi da. Rückflug nach München und Heimfahrt mit der S-Bahn erst nach Mitternacht liefen problemlos, so daß wir um 0230 Uhr an der Matratze horchen konnten.

 

Fazit:
Es war wieder ein toller Aufenthalt! Besonders am Anfang und am Ende herrschte traumhaftes Wetter. Ohne großartige Stressvorgaben konnte ich 63,5 h auf dem Bike absolvieren, die mentale Erholung kam dabei nicht zu kurz. Der Aufenthalt am Meer war mal was Neues, zur Erholung sehr schön, zum Biken sind es jeden Tag gut 500Hm mehr.

Schlecht war meine Sturzserie, da war irgendwie der Wurm drin. Nichts Schlimmes, aber doch potentiell gefährlich. Vom schuldlosen von einem Auto an die Hauswand gedrückt werden, über eine Unkonzentriertheit bei großer Ermüdung, Wahnwitz auf einer ausgewiesenen Downhillerstrecke, bis hin zu etwas Pech in tiefem Geröll war alles dabei. Geschmerzt hat dabei besonders, daß ich meinen neuen Rahmen verbeult habe....

Ich freue mich schon auf meinen nächsten Aufenthalt im März 2010!

 

(alle Fotos auf einen Blick)