"Wie gestalte ich meine Ernährung, um keinen Hungerast zu bekommen? Was nehme ich besonders im Winter auf dem Rad mit?"
Wie schon andernorts beschrieben, ist die allererste Maßnahme fleißiges Training. Es kann für einen jungen Radsportler maximal frustrierend sein, wenn er bei langen TE´s neben einem älteren Rennfahrer, einem vermeintlichen "alten Knochen", laufend höhere Pulswerte aufweist, dauernd Verpflegung einfährt und trotzdem nach mehreren Stunden im mittleren Tempo zum offensichtlich fastenden Älteren abreißen lassen muß. Nur die Kenntnis der medizinischen Grundlagen und das Wissen darum, daß sich der Stoffwechsel in dieser Hinsicht mit dem Alter und der Anzahl der Trainingsjahre verbessern wird, wird junge, mündige Athleten optimistisch in die Zukunft blicken lassen. Trotzdem kann man auf dem Gebiet der Ernährung dem HUNGERAST vorbauen. Schon am Vorabend der sportlichen Leistung, sogar im Extrem an den Vortagen, können durch kohlenhydratbetonte Ernährung die Glykogenspeicher des Körpers maximal aufgefüllt werden (nicht umsonst gibt es die Nudelpartys am Abend vor den Marathons). Auch das reichliche Frühstück in zeitlicher Nähe des "langen Kantens" (Training der Langzeitausdauer), das auch ruhig kräftiger ausfallen darf (erhöhter Eiweißanteil), um die Blutzuckerkurve lange stabil zu halten, ist unumgänglich. Also, Langschläfer, früher aufstehen! Nur auf die Schnelle einen Topf Müsli hineinzuwürgen (oder auch: Marmeladenbrot, etc.) führt erst zur Hyper-, dann zur Hypoglykämie (der Traubenzuckereffekt). Junge Radsportler, schlecht Grundlagenausdauertrainierte müssen auf dem Rad nach einer Stunde zu essen beginnen und dann alle 15-20 min in kleinen Portionen nachschieben, dabei immer in kleinen Schlucken dazu trinken. Da die Intensität im G1/2-Training nicht so hoch ist, kann es zu Anfang ruhig etwas Kräftigeres sein, auch die Profis essen in der Anfangsphase eines Rennens Schinken- und Käsebrötchen, Pizza, etc.. Zum Schluß hin wird die Form der Zusatzernährung immer kurzkettiger (will heißen: immer kürzere Zuckermolekülketten), Bananen, Lebkuchen, süße Brote, Riegel kommen zum Einsatz. Gegen Ende als Notnagel oder kurz vor dem Hungerast (oder auch wenn dieser bereits eingetreten ist) bringen flüssige Gels (komplexe KH) rasch Hilfe. Trinkflasche: Diese muß in der kalten Jahreszeit warm gehalten werden. Eine Flasche ist im Flaschenhalter am Rad, die andere, aus der gerade getrunken wird, steckt in einer der unteren Trikotschichten in der Trikottasche am Rücken und ist dadurch körperwarm. Im Winter sind die Getränke süßer und nahrhafter als im Sommer. Mit Honig gesüßte Tees, optimiert durch Zugabe von Maltodextrinen (Gemisch von komplexen KH, Hauptbestandteil ist meist Malzzucker, in Pulverform, geschmacksneutral, in Großdosen in jedem Fitness-Studio erhältlich), leisten wichtige Hilfe. Besser ist es, vom Training wieder Verpflegung mit nach Hause zu bringen, als daß sie einem während des Trainings fehlt! Unverzichtbar in diesem Zusammenhang und eigentlich Pflicht eines jeden Rennfahrers ist neben der Mitnahme des Handys für Notfälle das Mitführen von Geld in der Reservebox, um notfalls in einer Tankstelle "notverpflegen" zu können. Nach dem Training ist vor dem Training: zu Hause mehr oder weniger ermüdet und durchfroren angekommen, ist der erste Gang nach der Dusche oder dem Bad (Achtung, nicht zu lang und zu heiß v.a. bei leichter Hypoglykämie: Kreislaufprobleme!) zum Eßtisch. Es besteht ein sog. "Fenster", will heißen: bis eine Stunde nach dem Tr./Wk. können bis zu 80% der KH wieder aufgenommen werden, der Körper ist in diesem Zustand quasi wie ein Schwamm. Diesen Saugeffekt gilt es im Sinne einer raschen Regeneration unbedingt auszunutzen. Alle durch die Belastung verlorenen Elemente heißt es aufzufüllen, also auch Eiweiß (!), Vitamine, Mineralien und Spurenelemente, sowie Flüssigkeit! Eine leichte gemischte Kost wird sich anbieten, nicht zu viel auf einmal. Lieber schiebt man noch zusätzliche Zwischenmahlzeiten ein, schließlich versäumt man meist das Mittagessen auf dem Rad und der Körper läßt sich nicht betrügen. Außerdem erhöhen viele kleine Zwischenmahlzeiten den Stoffwechsel und verstärken dadurch den in der Vorbereitungsperiode erwünschten Effekt der Gewichtsabnahme durch Fettreduzierung. Gruß, Euer Hardi, Dezember 2002
P.S.: Gebt auch Eurem Rad
etwas zu essen! Fahren auf salznassen, sandigen Straßen ist das Ärgste,
was Radmaterial zugemutet werden kann. Überprüfen der Reifen
auf Schnitte, Abwaschen des Salzes und des Drecks mit milder Seifenlauge,
Abwischen und kräftiges Einölen der Kette, periodisches Fetten
der Lager sind unverzichtbar, maximieren die Sicherheit und minimieren
den Tretwiderstand der an sich schon schwerfälligeren Schutzblechräder!!! |